Fahrradparken und Nahversorgung (01)

03 08 2011
Neulich war ich mal wieder bei Conrad Elektronik in Bonn einkaufen und habe mich über das Fahrradparken geärgert. Wenn ich auf den Bildern, die ich geschossen habe, richtig gezählt habe, komme ich auf lediglich 18 Fahrradabstellplätze.

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Da Bonn nicht über eine Fahrradabstellsatzung - wie z.B. Troisdorf - verfügt, in der qualitative Vorgaben gemacht werden, so dass man Fahrräder auch diebstahlsicher und zerstörungsfrei abstellen kann, wurden natürlich mal wieder billigste Felgenkiller aufgestellt. Diese schränken das quantitativ eh schon ungenügende Angebot nochmals erheblich ein.

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Man fragt sich allerdings wie es zu solchen Fehlplanungen kommen kann. Das Einkaufszentrum Bushalle liegt in Bonn West, nur wenige Kilometer von der Bonner Innenstadt entfernt. Alles andere also als ein Standort "auf der grünen Wiese". Direkt an der Endenicher Straße gelegen, einer Hauptfahrradroute. Und die Politik betonte beim Neubau 2007 euphorisch das Angebot der "Nahversorgung".

Darunter scheint man dann wohl die 253 Pkw Stellplätze zu verstehen. Denn schaut man sich mal an, was die Landesbauordnung an Richtzahlen für Fahrradstellplätze vorsieht, klaffen zwischen Vorgaben und Realität Welten. Und die Landesbauordnung ist alles andere als bedarfsorientiert. Gerade bei stärkerem Radverkehr soll von den Zahlen nach oben abgewichen werden. Wie oben erwähnt, sollten fahrradfreundliche Kommunen in NRW eh ihre Möglichkeiten einer eigenen Fahrradabstellordnung nutzen, die höhere Stellplatzzahlen und Qualitätsstandards vorgibt.

Nach diesem Dokument des Unterausschuss Bauplanung verfügt das Einkaufzentrum über 1.556,50m² Verkaufsfläche eines Lebensmittelvollversorgers (Edeka, Bäckerei), sowie 507m² eines Drogeriemarkts (dm) und 2.138m² für den Elektronikfachmarkt (Conrad). Zusätzlich noch ein Fitnesscenter.

Nach den Richtzahlen der Landesbauordnung komme ich da auf folgende Zahlen:

Verkaufsstätten für Waren des täglichen Bedarfs (Edeka, Bäckerei, dm): 2.063,5m² = 52 Stellplätze
Fachmärkte (Conrad): 2.138m² = 14 Stellplätze
Fitness- und Sportstudios, Solarien, Saunen ( niedrig geschätze 10 Kleiderablagen, Minimum ): 2 Stellplätze

Macht 68 Fahrradstellplätze. Bei 18 real vorhandenen fragt man sich da schon, wie der Investor eine Baugenehmigung bekommen konnte, bzw. welche Auflagen die Stadt denn wohl gemacht haben könnte. Auf jeden Fall verkommt so der von der Lokalpolitik gern benutze Begriff der "dringend benötigten Nahversorgung" zur absoluten Lachnummer.

Und übrigens: Bei meinem vorletzten Besuch Anfang Februar, bei ca. 2°C, habe ich 28 Fahrräder gezählt. Der Bedarf ist also nicht nur bei "Schönwetter" größer als das Angebot.


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