Ein eher sinnloses Unterfangen

12 10 2014
Oder: Ein Schutzstreifen für die Siegburger Straße.

Der "Rad weg!" an der Siegburger Str. zählt seit Jahrzehnten zu den Bonner Sehenswürdigkeiten. Als Hauptverbindung nach St. Augustin und Abschnitt der "Deutschland Netz Route 4 - Mittellandroute" ein wahres Aushängeschild für die Stadt.

Das Prunkstück bietet innerörtliche linksseite Führung, Wurzelschäden, teilweise komplett fehlende Decke und direkte Führung über Baumscheiben, größtenteils gemeinsame Führung mit dem Fußverkehr und Abschnittsweise lichte Breiten unter 2m. Eben noch ein Pfad für echte Abenteurer. Der geneigte Gefahrensuche möge sich selber ein Bild davon machen!

Nun hat die Politik der Verwaltung den Auftrag erteilt, die Siegburger Str. fahrradfreundlicher zu gestalten. Rechtskonform stand halt nicht im Pflichtenheft. Der Vorschlag der Verwaltung ist die Markierung eines einseitigen Schutzstreifens von der Gartenstr. bis zur Maria-Montessori-Allee.

Mit Verlaub: Das ist ein eher sinnloses Unterfangen. Denn letztlich wird es doch auf zwei Varianten hinauslaufen:

Variante 1: Die Benutzungspflicht zwischen Gartenstr. und Maria-Montessori-Allee wird linksseitig aufgehoben. Dies ermöglicht es dem Radverkehr auf der Siegburger Str. bis zur Maria-Montessori-Allee auf der Fahrbahn zu bleiben, bis er dann auf den linksseitigen Radweg gezwungen wird. Das bedeutet aber auch, dass der vom Bröhttalbahnweg kommende Radverkehr den linksseitigen Radweg verlassen muss, nur um wenige hundert Meter weit die Fahrbahn nutzen zu dürfen und anschließend wieder auf den linksseitigen Weg muss.

Variante 2: Die linksseitige Benutzungspflicht wird aufgehoben und durch ein Benutzungsrechts ersetzt. Der Radverkehr darf bis zur Maria-Montessori-Allee sowohl auf der Fahrbahn, als auch auf dem linksseitigen Radweg verkehren. Dies löst allerdings nicht die Probleme mit dem nicht ausreichendem Querschnitt und wäre damit genauso rechtswidrig wie die aktuelle Verkehrsführung.

Beide Varianten werden im weiteren Verlauf den Radweg wieder linksseitig auf dem Hochbord führen. Laut der Beschlussvorlage sei der gemeinsame Radweg dort mit 3 Metern ausreichend breit. Dass eine gemeinsame Führung mit dem Fußverkehr nur bei schwachem Fuß- und Radverkehr zulässig ist und die Belastungszahlen nach Schulschluss der Gesamtschule regelmäßig überschritten werden, findet keine Berücksichtigung.

Das führte in der Vergangenheit schon einmal dazu, dass eine radfahrende Schülerin im dichten Gedränge der zu Fuß gehenden Schüler vom Hochbord auf die Fahrbahn gedrängt wurde und direkt vor einem aus der Friedenstr. abgebogenem Sattelschlepper landete. Der Reaktion des Kraftfahrers war es zu verdanken, dass das Kind nicht überrollt wurde. Als Beinaheunfall findet sowas natürlich genauso wenig Beachtung wie die Verkehrsbelastungszahlen für den Radweg, die man offensichtlich auch nicht erhebt.

update: Jemand ist mit der Situation ebenfalls unzufrieden und hat einen Antrag auf Aufhebung der RWBP gestellt. Die Verwaltung hat das mal als Bürgerantrag an die Politik aufgefasst und hier veröffentlicht.

update 2: Der Schutzstreifen auf der Siegburger Str. wird kommen. Der General-Anzeiger hat einen Artikel dazu, wie auch einen Kommentar. Meine Meihnung dazu habe ich oben ja bereits kundgetan. Trotzdem finde ich die Entwicklung sehr interessant, eröffnet sie doch völlig neue juristische Möglichkeiten. Mal sehen, wie es weitergeht...

update 3: Der Schutzstreifen zwischen Gartenstr. und Maria-Montessori-Allee ist markiert. Umgesetzt wurde keine der obigen Varianten, sondern die Kombination aus linksseitiger Benutzungspflicht und rechtsseitigem Schutzstreifen. Diese ist natürlich rechtswidrig und nicht anordnungsfähig. Es entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, ob es sich dabei um die Endsituation handelt, oder sich an der Anordnung für den linksseitigen baulichen Radweg noch etwas ändern wird.
Unterdessen ist auch die Markierung des Radwegs im zu schmalen Engstellenbereich demarkiert wurden, ich vermute hier wird ebenfalls Z. 240 angeordnet, um sich aus der Affäre zu ziehen.
An der praktischen Benutzbarkeit ändert das natürlich alles wenig. Als ich dort letztmals vorbeikam, standen hinter der Einmündung Schevastesstr. zwei Baufahrzeuge und ein DHL-Lieferwagen auf dem Radweg.


Trackbacks


Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: (Linear | Verschachtelt)
Noch keine Kommentare

Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert.