Bericht zum Voerder Radeinzelzeitfahren 2005

15 09 2005
Startzeit kurz nach 9:30, das war früh. Nicht nur für die Starter, sondern auch für die Organisation. Leider lief es da nämlich nicht ganz rund.
Viertel vor Acht am Sonntag, eine unchristliche Zeit, um in Voerde am Niederrhein anzukommen. Wettkampfwochenenden sind ja ganz schön, bis auf das frühe aufstehen. ;-) Nach ein wenig Suchen finden ich den Startort, ganz Voerde ist in Dunst getaucht, das macht es nicht gerade einfach als Ortsunkundiger den Start zu finden. 9:20 rolle ich mit meiner Maschine an den Start, mein Startfenster steht für 9:31:15. Komisches Zeitfenster.
Am Start herrscht schon Aufregung. Das Startfenster beträgt tatsächlich nur 15 Sekunden. Das ist natürlich viel zu knapp bemessen und reicht nicht, damit außer der ersten Teilnehmerin die Starter von der Rampe rollen können. Na gut, das will ja auch niemand. Aber es erfordert schon zwei Listenaufrufe, bis die ersten Zwanzig in richtiger Reigenfolge am Start stehen.
Ich bin unter den ersten Startern. Das macht mir direkt Sorgen. Ich kenne zwar die Radstrecke vom Duathlon 2004, aber seitdem wurden ein paar Dinge geändert. Eine Wettkampfbesprechung gab es auch nicht. Naja, Startfreigabe und ab dafür.
Es geht kurz eine kleine Kuppe hoch, dann ein Kreisverkehr, hier schon das erste Problem, die Posten stehen noch nicht richtig gut, um zu erkennen, wo man raus muß. Nach einer Schrecksekunde kann ich mich aber orientieren, selbe Ausfahrt wie beim Duathlon. Raus aus dem Kreisverkehr und Kette rechts. Es dauert nur wenige Minuten und ich bin an Position 1, jage einsam durch den Dunst. Das macht nervös, wenn man niemanden vor sich hat und die Strecke nicht kennt.
Ich passiere das Dorf in dem sich letztes Jahr beim Duathlon der Wendepunkt befand. Nix, aber diesmal lag der Startpunkt ja auch woanders. Ich jage weiter mit Tempo > 40 km/h durch die Lande. Mein Gefühl sagt mir, daß langsam mal der Wendepunkt kommen sollte.
An einer T-Einmündung steht dann ein Motorrad-Cop. Noch nicht ganz wach, am Straßenrand, mit verschränkten Armen. Für einen Moment denke ich: "Was macht der denn da?" Sieht so aus, als ob er die Einmündung sichert. Ist schließlich die Einzige bisher, aber an der ist kein Verkehr zu sehen. Der Wendepunkt kann das aber doch unmöglich sein. Beim Duathlon war die Straße vollgesperrt, eine Handvoll Ordner mit Warnwesten und Fahnen deuteten die Wendestrecke an, dazu Verkehrsleitkegel am Wendepunkt, Schilder "Wendepunk ...m", Pfeile auf der Fahrbahn, der Verkehr wurde vorher abgeleitet. Hier steht nur ein müder Cop am Straßenrand. Ich bin vorbei und heize geradeaus.
Langsam wird mir mulmig. Als ich eine Ampelkreuzung erreiche, keine Ordner sehe, hab ich ein "Scheißgefühl". Das kann nicht richtig sein. An der nächsten Wendemöglichkeit lasse ich ausrollen und wende. Zurück, ich kann nicht zu früh gewendet haben. An der Ampel muß ich auch noch anhalten, toll! Meine Laune im Eimer.
Mit Vollstoff zurück, beim Cop angehalten. "Entschuldigung, gehören Sie zu der Absicherung des Einzelzeitfahrens?" "Ja." "Wo ist der Wendepunkt?" "Da!" (deutet in Richtung der Einmündung) "Da hinten?" "Nein, hier um die Verkehrsinsel herum."
Danke für das Gespräch! Bin ich Jesus, blute ich an den Händen? Woher soll man das denn wissen? Mit Wut im Bauch und Druck in den Beinen fahre ich meine Runden zu Ende und bin geschockt, als ich die Leute einsammle die hinter mir gestartet sind. Auf der zweiten Runde steht der Cop jetzt wenigstens winkend auf der Straße, sobald sich ein Radfahrer nähert. Leider etwas spät.
Zur Krönung werde ich dann noch einen halben Kilometer vor dem Ziel von zwei netten Autofahrern auf unter 30km/h ausgebremst, na danke schön!
Mit meiner Leistung bin ich zufrieden. Trotz (langsamer) Wendefahrt, Halt an der Ampel, Smalltalk mit dem Beamten und Ausbremsen zum Schluß bin ich einen 38,1km/h Schnitt gefahren. Auf meiner Strecke. 40,5km. Toll! Offiziell ist mein Schnitt irgendwas um 35km/h.
Naja, in erster Linie wollte ich eh nur meine Leistung bei einem flachen Zeitfahren überprüfen, das kann ich zu Hause ja nicht in dem Maße, und schonmal die Duathlon-Strecke antesten. Ich hoffe dann wird die Strecke besser markiert!
So jedenfalls ist der Wettkampf eine Farce, gerade weil viele der Teilnehmer auch zugeben, daß sie unabsichtlich viel zu früh gewendet haben.

Zur Manöverkritik also:
Das war wohl nix! Die Triminators haben schon besser organisierte Wettkämpfe ausgestaltet.
Es kann echt nicht sein, das kein Schild, keine Markierung auf den Wendepunkt hinweist. Das ist doch wirklich kein Aufwand. Eigentlich hätten auf die Linksabbiegerspur Leitkegel gehört und ein Posten mit Fahne. Dem Cop kann man schließlich keinen Vorwurf machen. Der wird nicht jeden Tag für so eine Veranstaltung eingesetzt. Im Gegenteil: Das muß man den Voerdern mal ein Kompliment machen. Wo gibt es sonst schon so eine Behördenunterstützung? Gerade deshalb kann ich nicht verstehen, wie man so eine "wertvolle Resource" wie ein Polizeimotorrad so schlecht einsetzen kann. Am Wendepunkt reicht doch ein stationärer Posten. Notfalls auch nur deutlich Markierungen. Das Motorrad wäre doch viel besser auf der Strecke eingesetzt, um die netten Autofahrer zu mäßigen.
Diese Benahmen sich nämlich wie die Axt im Walde. Da wurden Teilnehmer fast von der Straße gehupt und geschnitten. Schließlich kam es auch noch zu einem Unfall, bei dem sich einer der Teilnehmer zum Glück nur Abschürfungen zuzog. Vom Materialschaden mal abgesehen.
Irgendwie habe ich auch die Schilder am Straßenrand vermißt "Achtung Radrennen!"
Die haben mich nämlich 2004 beim Duathlon sehr begeistert. Vermittelten sie doch, zusammen mit den Schiedsrichtermotorrädern, den Autofahrern, daß sie vielleicht mal kurze Zeit ein wenig zurückstecken.
Alles in Allem muß ich sagen: Eine sicherlich nette Veranstaltung, Jedermannzeitfahren gibt es ja nicht gerade viele, die aber mangelhaft in der Durchführung war. Was besonders ärgerlich ist, nicht weil man für 7€ viel erwarten kann, schließlich wird so etwas ehrenamtlich organisiert, nein, sondern weil es die Triminators sonst besser können. Und man hätte mit geringem Aufwand für einen eigentlich reibungslosen Ablauf sorgen können.


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